Wie schnell wächst Muskulatur?
Praktisches Fazit:
Erwartungsmanagement statt Wunschdenken:Rund 7 % Zuwachs an Muskelgröße nach 10 Wochen strukturierten Krafttrainings ist im Literaturschnitt ein realistischer Richtwert – nicht mehr und nicht weniger. Wer diesen Wert als grobe Orientierung nutzt, kann eigene oder klientenbezogene Fortschritte besser einordnen.
Frühe Erfolge nicht überinterpretieren, spätere nicht unterschätzen:Der größte Teil des Zuwachses zeigt sich früh im Trainingsprozess – das ist normal und kein Zeichen dafür, dass „das Beste schon vorbei" ist. Fortgeschrittene sollten eher kleinere, aber weiterhin reale Zuwächse erwarten und ihre Erwartungshaltung entsprechend anpassen.
Individuelle Progression bleibt nötig:Da der Trainingsreiz mit der Zeit an relativer Wirksamkeit verliert, braucht nachhaltiges Wachstum zunehmend gezielte Anpassungen bei Volumen, Anstrengung, Übungsauswahl, Ernährung und Erholung – reines „Weitermachen wie bisher" reicht auf Dauer nicht.
Messmethoden nicht 1:1 vergleichen:MRT-, Ultraschall- und Biopsie-Werte sind nicht direkt austauschbar. Wer eigene Fortschritte über Zeit verfolgt, sollte konsequent dieselbe Messmethode nutzen, statt Zahlen aus unterschiedlichen Quellen zu vergleichen.
Einordnung:Die Datenlage jenseits von rund 40 Wochen ist dünn, entsprechend unsicher sind Aussagen zu sehr langen Trainingsverläufen. Auch handelt es sich um Between-Study-Schätzungen mit hoher Heterogenität (I² 85–91 %) – individuelle Verläufe können erheblich von der mittleren Trajektorie abweichen.
Quelle:
Roberts, B. M., Robinson, Z. P., Pearson, J. R. et al. Modeling the Trajectory of Skeletal Muscle Hypertrophy During Resistance Training: A Systematic Review and Meta-Analysis. Preprint, noch nicht peer-reviewed (2026). Daten verfügbar unter: https://osf.io/f29jt/
Sciencethread Training
-
H_D
- Lounge-Legende
- Beiträge: 11467
- Registriert: 9. Mär 2023, 21:30
-
H_D
- Lounge-Legende
- Beiträge: 11467
- Registriert: 9. Mär 2023, 21:30
-
H_D
- Lounge-Legende
- Beiträge: 11467
- Registriert: 9. Mär 2023, 21:30
-
H_D
- Lounge-Legende
- Beiträge: 11467
- Registriert: 9. Mär 2023, 21:30
-
ARRG
- Lounger
- Beiträge: 88
- Registriert: 20. Aug 2026, 23:13
Re: Sciencethread Training
Da wär ich mir nicht so sicher. In dem Fall könnte man ja alles auf Anschlag trainieren und Priorisierung wäre unnötig. Man müsste eine Gruppe volles Rohr alles am Limit trainieren lassen, statt nur zusätzlich die Beine und die andere nur Arme am Limit. Den Unterschied zwischen den Gruppen quasi maximieren. Und wie wurden die Beine trainiert? Bissle extra Beinstrecker? Ich hab kA von Statistik aber der Kraft- und Muskelzuwachs war ja doch unterschiedlich. Wie hoch muss der Unterschied denn sein, um statistisch relevant zu sein?
-
Matze_
- Lounger
- Beiträge: 169
- Registriert: 9. Okt 2024, 20:01
Re: Sciencethread Training
Du sagst es doch selbst, kein Mensch trainiert so (ein bisschen Bizeps mit oder ohne Beinstrecker). Die Studie ist somit höchstens als potentieller Hinweis zu verstehen, es braucht aber deutlich realistischere Trainingsrahmenbedingungen.ARRG hat geschrieben: zum Beitrag navigieren2. Sep 2026, 20:58 Da wär ich mir nicht so sicher. In dem Fall könnte man ja alles auf Anschlag trainieren und Priorisierung wäre unnötig. Man müsste eine Gruppe volles Rohr alles am Limit trainieren lassen, statt nur zusätzlich die Beine und die andere nur Arme am Limit. Den Unterschied zwischen den Gruppen quasi maximieren. Und wie wurden die Beine trainiert? Bissle extra Beinstrecker? Ich hab kA von Statistik aber der Kraft- und Muskelzuwachs war ja doch unterschiedlich. Wie hoch muss der Unterschied denn sein, um statistisch relevant zu sein?
- Piotr
- Naturaler Dönerlord
- Beiträge: 12494
- Registriert: 11. Mär 2023, 10:37
- Wohnort: Franken
- Körpergewicht: 75
- KFA: 99
- Sportart: Chubby Gf
- Bench: 130
- Lieblingsübung: Facesitting
- Ich bin: gestört
Re: Sciencethread Training
Ich habe viel Erfahrung mit ü20 Sätze Sessions
Hat sehr gut funktioniert
Mittlerweile sind Prioritäten im Leben anders und nach insgesamt knapp 17 Jahren Gym ist Progress sowieso marginal
30 Sätze in einer Session funktionieren aber auch jetzt, logischerweise ist das dann OK oder GK
Hat sehr gut funktioniert
Mittlerweile sind Prioritäten im Leben anders und nach insgesamt knapp 17 Jahren Gym ist Progress sowieso marginal
30 Sätze in einer Session funktionieren aber auch jetzt, logischerweise ist das dann OK oder GK
Shadows of Nürni - Wojna Log
"Surrender is an outcome, far worse than defeat"
Vegeta
Diese Marken unterstützen das Forum
"Surrender is an outcome, far worse than defeat"
Vegeta
Diese Marken unterstützen das Forum
-
Carter T R
- Lounge Ultra
- Beiträge: 3047
- Registriert: 18. Sep 2024, 10:58
- Alter: 49
- Geschlecht: männlich
Re: Sciencethread Training
Bedenkt bitte, dass ihr hier im Sciencethread postet...
Es ist immer dasselbe, wenn Leute, die nur wenig Verständnis von Wissenschaft haben (und das auch selbst wissen), die Ergebnisse einer Studie selbst interpretieren - und damit meine ich nicht Prof. Geisler, bei dem ich davon ausgehe, dass er weiß, was er tut.
1. Ja, so trainiert in der Regel niemand, aber darum geht es in der Studie auch nicht. Die Studie beschäftigt sich zunächst mit dem mechanistischen Hintergrund. Wenn in einer solchen Studie ein Unterschied festgestellt wird, kann man davon ausgehen (aber nicht sicher sein!), dass es bei einem höheren Trainingsvolumen ebenfalls der Fall ist, stellt man keinen Unterschied fest, kann man nur sagen, dass es keine grundsätzliche Konkurrenz gibt, aber unter anderen Bedingungen (z.B. einem höheren Trainingsvolumen oder auch einer genauen Kontrolle der Ernährung der Probanden) die Ergebnisse durchaus anders ausfallen können und quasi genau damit schließt auch der Abstract der Studie (Whether greater training volume or limited nutrient intake induces a competition for resources warrants further investigation.)
2. Natürlich wäre es toll gewesen, ein realistisches Trainingsprogramm zu nutzen, aber in so einem Fall wäre die Studie in der vorliegenden Form vermutlich nicht durchführbar gewesen, denn 105 Probanden (oder 69, wenn wir die Kontrollgruppe ohne Training herausrechnen) über 6 Wochen so genau zu betreuen ist in der Sportwissenschaft (in der Regel) kaum möglich bzw. (leider) nicht praktikabel.
3. Normalerweise beginnt man einen Themenkomplex also mit einer solchen Übersichtsstudie und kann dann anhand deren Ergebnissen das experimentelle Protokoll finetunen und mit einer geringeren Probandenzahl wiederholen - und dabei dann z.B. auch die kcal und das Protein tracken und ein realitätsnäheres Trainingsprogramm nutzen - aber dafür benötigt man Forschungsgelder. Diese bekommt man leichter, wenn man schon erste Ergebnisse mit so einer Art Pilotstudie vorweisen kann.
4. In der Statistik geht es in der Regel darum, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Unterschiede zwischen den Testgruppen nur durch Zufall entstanden sind. Bei niedrigen Probandenzahlen ist dazu ein größerer Unterschied notwendig als bei hohen Probandenzahlen. Ein kleiner Unterschied bei einer hohen Zahl Probanden kann also schon "statistisch signifikant" sein, bei kleinen Gruppen muss der Unterschied dazu in der Regel größer sein.
Wenn es einen Unterschied gibt, dieser aber nicht signifikant ist, kann man auch ausrechnen, wie groß die Anzahl der Probanden hätte sein müssen, damit der Unterschied statistisch signifikant wäre, bei solchen Rechnungen geht man dann aber natürlich davon aus, dass der Unterschied "stabil" bleibt und sich durch eine höhere Gruppe an Probanden nicht noch verschiebt (was bei hohen Standardabweichungen, also Abweichungen einzelner Messwerte vom Mittelwert einer Gruppe leicht passieren könnte).
Wenn Messwerte sich nicht statistisch unterscheiden, geht man davon aus, dass kein "echter Unterschied" vorliegt, bzw. dass der vorliegende Unterschied nur durch Zufall, aber nicht durch die Unterschiede zwischen den Testgruppen entstanden ist.
5. Individuelle Erfahrungen sind bei einer solchen Betrachtung irrelevant, denn diese haben keine Kontrollgruppe (was wäre möglich gewesen, wenn...) und können immer auch einen "outlyer" betrachten, der einfach weit vom Durchschnitt abweicht, weshalb derartige anekdotsiche Evidenz hier keine Rolle spielt.
Die Studie hat daher in meinen Augen durchaus ihren Wert, sie stellt aber (wie so oft) nur den Beginn eines noch vor der Wissenschaft liegenden Weges dar.
Es ist immer dasselbe, wenn Leute, die nur wenig Verständnis von Wissenschaft haben (und das auch selbst wissen), die Ergebnisse einer Studie selbst interpretieren - und damit meine ich nicht Prof. Geisler, bei dem ich davon ausgehe, dass er weiß, was er tut.
1. Ja, so trainiert in der Regel niemand, aber darum geht es in der Studie auch nicht. Die Studie beschäftigt sich zunächst mit dem mechanistischen Hintergrund. Wenn in einer solchen Studie ein Unterschied festgestellt wird, kann man davon ausgehen (aber nicht sicher sein!), dass es bei einem höheren Trainingsvolumen ebenfalls der Fall ist, stellt man keinen Unterschied fest, kann man nur sagen, dass es keine grundsätzliche Konkurrenz gibt, aber unter anderen Bedingungen (z.B. einem höheren Trainingsvolumen oder auch einer genauen Kontrolle der Ernährung der Probanden) die Ergebnisse durchaus anders ausfallen können und quasi genau damit schließt auch der Abstract der Studie (Whether greater training volume or limited nutrient intake induces a competition for resources warrants further investigation.)
2. Natürlich wäre es toll gewesen, ein realistisches Trainingsprogramm zu nutzen, aber in so einem Fall wäre die Studie in der vorliegenden Form vermutlich nicht durchführbar gewesen, denn 105 Probanden (oder 69, wenn wir die Kontrollgruppe ohne Training herausrechnen) über 6 Wochen so genau zu betreuen ist in der Sportwissenschaft (in der Regel) kaum möglich bzw. (leider) nicht praktikabel.
3. Normalerweise beginnt man einen Themenkomplex also mit einer solchen Übersichtsstudie und kann dann anhand deren Ergebnissen das experimentelle Protokoll finetunen und mit einer geringeren Probandenzahl wiederholen - und dabei dann z.B. auch die kcal und das Protein tracken und ein realitätsnäheres Trainingsprogramm nutzen - aber dafür benötigt man Forschungsgelder. Diese bekommt man leichter, wenn man schon erste Ergebnisse mit so einer Art Pilotstudie vorweisen kann.
4. In der Statistik geht es in der Regel darum, eine Vorstellung davon zu bekommen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass die Unterschiede zwischen den Testgruppen nur durch Zufall entstanden sind. Bei niedrigen Probandenzahlen ist dazu ein größerer Unterschied notwendig als bei hohen Probandenzahlen. Ein kleiner Unterschied bei einer hohen Zahl Probanden kann also schon "statistisch signifikant" sein, bei kleinen Gruppen muss der Unterschied dazu in der Regel größer sein.
Wenn es einen Unterschied gibt, dieser aber nicht signifikant ist, kann man auch ausrechnen, wie groß die Anzahl der Probanden hätte sein müssen, damit der Unterschied statistisch signifikant wäre, bei solchen Rechnungen geht man dann aber natürlich davon aus, dass der Unterschied "stabil" bleibt und sich durch eine höhere Gruppe an Probanden nicht noch verschiebt (was bei hohen Standardabweichungen, also Abweichungen einzelner Messwerte vom Mittelwert einer Gruppe leicht passieren könnte).
Wenn Messwerte sich nicht statistisch unterscheiden, geht man davon aus, dass kein "echter Unterschied" vorliegt, bzw. dass der vorliegende Unterschied nur durch Zufall, aber nicht durch die Unterschiede zwischen den Testgruppen entstanden ist.
5. Individuelle Erfahrungen sind bei einer solchen Betrachtung irrelevant, denn diese haben keine Kontrollgruppe (was wäre möglich gewesen, wenn...) und können immer auch einen "outlyer" betrachten, der einfach weit vom Durchschnitt abweicht, weshalb derartige anekdotsiche Evidenz hier keine Rolle spielt.
Die Studie hat daher in meinen Augen durchaus ihren Wert, sie stellt aber (wie so oft) nur den Beginn eines noch vor der Wissenschaft liegenden Weges dar.