Masseschrei hat geschrieben: zum Beitrag navigieren4. Okt 2026, 16:59
Knolle hat geschrieben: zum Beitrag navigieren4. Okt 2026, 12:52
ARRG hat geschrieben: zum Beitrag navigieren4. Okt 2026, 11:48
Es ist einfach politisch Unklug sich mit so einem Quatsch völlig vorhersehbar in die Schusslinie zu bringen. Besonders wenn es genauso vorhersehbar dabei nichts zu gewinnen gibt. Das war einfach dämlich. Und das wäre jedem im Vorfeld klar gewesen. Dann nicht das Maul zu halten, ist eine Art Trotz aus Prinzip Reaktion.
Es ist halt extrem, wie krass man das eben öffentlich aufbauscht und da einen Skandal sieht.
Auch die Siegmund Aussage mit dem Holocaust wurde ja kurz medial durchs Dorf getrieben, ist dann aber schnell wieder abgeflacht.
Das sind wahrscheinlich Dinge, die ein Großteil der Bevölkerung unterschreiben würde, wenn man sie in der Anonymität befragen würde, aber öffentlich werden dann sämtliche Geschütze in Stellung gebracht.
Und dann wird medial natürlich gefeuert, dass selbst das RN die AfD für zu radikal befindet, ohne sich auf irgendeine Weise inhaltlich damit zu beschäftigen.
Nehmen wir doch diesen/ diese Sätze (selbst schon "früher war nicht alles schlecht") - solche Sätze werden nie "widerlegt" werden können. Das sind einfach Tautologien... Warum machen das Politiker @Knolle ?
https://www.derstandard.at/story/136210 ... s-schlecht
Hier ein Beispiel - das zieht sich doch schon seit Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum und gibt es für andere Themen auch in anderen Ländern...
„Na, das hat's im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen!“
Folgendes kam dann später...
"in keiner Weise eine positive Bewertung der Beschäftigungspolitik des Dritten Reichs gegenüber der österreichischen Beschäftigungspolitik gemeint“
https://www.diepresse.com/5023491/eine- ... erg-haider
Die Thematik - und die genannten Beispiele - zeigen doch eher eine viel größere Thematik, nämlich die allgemeine Grenze des Sagbaren, bzw wie das Thema 3. Reich bzw "Schuldkult" in unserer kulturellen DNA verankert ist.
Wenn man die Krah-Aussage googelt, findet man eigentlich keine Artikel (zumindest nicht hinter Paywall), die die Aussage "einordnen" oder erklären, sondern immer nur verurteilen und sagen, wie schlimm es sei, dass er das gesagt hat.
Aber der Artikel ist aufschlussreich:
https://rp-online.de/politik/deutschlan ... -113645553
Denn nicht historische Aufklärung war ja Krahs Absicht, sondern die SS zu verharmlosen. Seine Antworten zum Thema atmen die Beteuerung „Es gab auch anständige SS-Männer“ – er sagt aber nicht, dass die SS im Nürnberger Prozess zur verbrecherischen Organisation erklärt wurde und dass sie im Zentrum der NS-Menschheitsverbrechen steht, geradezu deren Inbegriff ist.
„Politisch extremistisch“ sei das deshalb, sagt Dieter Pohl, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Klagenfurt und einer der wichtigsten Experten für die NS-Vernichtungspolitik: Krah ziele „auf eine Rehabilitierung zumindest eines Teils der SS-Angehörigen und damit der Gesamtorganisation“.
In den Augen der Medien versucht Krah, die gesamte SS zu relativieren, indem er einzelne Mitglieder als "anständig" bezeichnet.
Und:
Pohl geht dennoch hart mit Krah ins Gericht. „Geschichtsklitterung“ sei das: „In jeder verbrecherischen Organisation gibt es Personen, die direkt an Verbrechen beteiligt waren, und solche, bei denen das nicht nachweisbar ist.“ Trotzdem hätten auch sie an der „Gesamtfunktion der Organisation“ mitgearbeitet, „zum allergrößten Teil auch ihre Ziele geteilt“ – im Falle der SS: rassistische Terrorherrschaft, Vernichtungskrieg, Holocaust.
Das heißt, historisch ist die SS durch die Bank weg böse und jedes Mitglied ist böse und ein Verbrecher. Ein SS-Mann, der ein kleines Mädchen vor dem Ertrinken rettet ist nie gut, sondern immer böse. Ein 18-Jähriger, der die Wahl vorm Eintritt in die SS und dem Tod (ungarische Armee) hat, ist böse. Ein Mitarbeiter, der die Urlaubsanträge bearbeitet, ist böse. Das ist die scheinbar landläufige Meinung der Historiker zu dem Thema.
Für mich ist das dann eher eine grundsätzliche Frage von Gut und Böse und ob jemand böse sein und Gutes tun kann oder ob jemandem Sünden (im biblischen Sinne) verziehen werden können.
Wie siehst du das? Wie sind deine Ansichten zu Gut und Böse?
Diese Menschen sind nach dem Krieg zurück gekehrt und haben normal am zivilen Leben teilgenommen, sie haben unsere Großeltern und Eltern gezeugt und waren vielleicht den Großteil ihres Lebens wertvolle Mitglieder der Gesellschaft.
Medial wird so getan, als wolle Krah damit die absolute Schuld (denn die Mitgliedschaft in der SS ist dies) negieren und damit die Verbrechen der SS leugnen, relativieren und damit die Organisation legitimieren.
Das täuscht vor, hier kämpfe jemand gegen Bekenntniszwänge und fordere Gerechtigkeit für jene Verführten, denen übel mitgespielt worden sei. Das ist Teil eins, der politische. Er ist infam und sehr plump, weil es schlicht um Täter-Opfer-Umkehr geht. Der zweite Teil, der historische, ist weniger plump, aber nur etwas. Krah sagt nämlich teils Banales (Geschichte ist kompliziert). Weil aber die Geschichte der SS alles andere als banal und mit simplen Beschwichtigungen nicht abzutun ist, kommt das Ganze auch historisch unaufrichtig daher.
Krahs Sätze klingen, flüchtig betrachtet, logisch, evident, geradezu um historische Wahrheit bemüht. „Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich“ – sagte das nicht sogar der große Richard von Weizsäcker in seiner Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985, in einer Sternstunde bundesrepublikanischer Erinnerungskultur?
Ich denke, Krah wollte nicht legitimieren und herunter spielen, sondern in seinen Augen ist es so, dass er aus persönlicher, familiärer Sicht der Meinung ist, dass es Fälle gibt, denen übel mitgespielt wurden und die aufgrund den sonstigen Konsequenzen diese Wahl getroffen haben. Daher sind nicht automatisch alle Verbrecher, sondern möglicherweise unschuldig.
Richtiger wäre gewesen, dass alle schuldig sind, manche aber weniger schuldig und einige wenige wahrscheinlich unschuldig oder wo das Verhalten nachvollziehbar ist (Alternative wäre der Tod gewesen). Für mich klingt diese Sichtweise logisch und nachvollziehbar, aber ich denke, man hätte wahrscheinlich einen wissenschaftlichen Aufsatz formulieren müssen, um den Satz so zu formulieren, dass er nicht einen Aufschrei verursacht, bzw aus AFD-Ecke wäre es sowieso unmöglich gewesen.
Letztendlich muss man bei der Partei unterscheiden, ob es Rechtsextreme sind, die die NS Zeit relativieren oder sogar gut finden und zwischen denen, die sich eine Umgebung wünschen, in der man Dinge sagen kann, ohne medial begraben zu werden,wie eben die SS-Aussage, nach der eine offene Diskussion entstehen kann (wie sie hier passiert). Also eine Abkehr von der "Schuldkult" DNA.
Dasselbe gilt natürlich auch für deine Links und Zitate, ob die Leute eben das Dritte Reich legitimieren, oder ob es "Gutes im Bösen" geben kann.
In den Augen der meisten Medien und Politiker bist du da stark bei Adorno, dass es eben im absoluten Bösen nichts Gutes gibt, also kann es auch keinen guten Menschen in der SS geben.
Für viele Menschen, sowohl heute als auch damals, ist es eben mehr eine philosophische Debatte, die ihnen aufgezwängt wird und man ihnen den Mund verbietet, während die Realität eben anders aussieht. Siehe auch der Artikel zu den Umfragen in den 50ern, wo viele doch noch Nazi Gedankengut in sich trugen und das geäußert haben.