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Mal wieder die Männer:Krieg, Drogen und Wahn in Somalia: Kettenmenschen
Traumatisiert vom Bürgerkrieg, verwirrt von der Droge Khat - in Somalia vegetieren Hunderttausende psychotische Menschen unter furchtbarsten Bedingungen in Gefangenschaft vor sich hin.
Wenn die Sonne untergeht, spielen sich in den Städten und Lagern groteske Szenen ab. An den Märkten, wo die grünen Khatbündel verkauft werden, brennen Petroleumlampen, Radios lärmen, Verkäufer brüllen durcheinander. Dazwischen irren vereinzelt nackte Menschen umher, manche wühlen im Abfall, andere schlagen um sich. Die meisten von ihnen sind Männer.
Ach, wenn doch zumindest die Sache mit den Katzen nicht wäre. "Aber ich kann ihn doch nicht immer an der Kette lassen", seufzt das alte Mütterchen im roten Gewand und zupft an ihrem Kopftuch. "Oft läuft er frei, bald kann ich ihn nicht mehr halten."
Wenn Achmet frei ist, zieht er durch das Lager und fängt Katzen, die er mit einer Plastiktüte erstickt. Die toten Tiere versteckt er in seinem Kopfkissen, das er immer mit sich trägt. Er ernährt sich von den verwesenden Katzen, vom Abfall, manchmal von seinen Exkrementen. Fliegen schwirren um ihn herum.
In jedem fünften somalischen Haushalt leben einer epidemiologischen Untersuchung zufolge Menschen in Ketten, vermutlich mehr als acht Prozent der erwachsenen Männer sind psychisch schwer gestört. Sie sind die Opfer eines grausamen Experiments der Geschichte: Was passiert mit den Bürgern eines zerfallenen Staates, die über Jahre im schlimmsten Bürgerkrieg leben, die von Kindesbeinen an Gewalt und Drogen unterworfen sind?
-----Das liegt daran, dass sie direkte Fronterfahrungen gemacht haben. Und daran, dass sie exzessiv Khat konsumieren. Die Droge war zwar schon immer wichtig in der somalischen Kultur. Doch war ihr Gebrauch früher streng reglementiert. Sie durfte nur bei der Zusammenkunft am Wochenende oder besonderen sozialen Gelegenheiten eingenommen werden. Frauen, Kinder und Jugendliche waren ausgeschlossen.
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Seit Jahrzehnten leidet Somalia unter der Gewalt durch andauernde interne Konflikte, Hunger und Naturkatastrophen. 30% der Einwohner sind dauerhaft vertrieben. Der Konsum der abhängigmachenden Kaudroge Khat ist weit verbreitet. Dies geht einher mit ungewöhnlich hohen Raten psychiatrischer Störungen.
Die in Khat enthaltenen amphetaminähnlichen Stoffe können z.B. Verfolgungswahn und Gewaltausbrüche auslösen. Die WHO berichtete 2010 von den Gesundheitsgefahren des immer weiter steigenden Khatkonsums und von den ungewöhnlich hohen Raten psychiatrischer Störungen in der Gesamtbevölkerung Somalias, gleichzeitig das eklatante Fehlen von psychiatrischen Versorgungsressourcen und -strukturen sowie von angepassten Präventionsund Versorgungskonzepten.